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Die amerikanische Nacht - Marisha Pessl

Die amerikanische nacht

 

 

„Ist die Kunst größer als das Leben?“

 

Mein Philosophen-Ich hätte seine Freude über diese Frage zu diskutieren. An dieser Stelle fungiert sie jedoch mehr als Brücke zu Marisha Pessls 800 Seiten starkem Werk, das nicht nur sprachlich absolut brillant ist.

 

Ich lese keine/kaum Krimis & Thriller (genauso wenig wie ich in diesen Genres schreibe). Hin und wieder gibt es aber Bücher, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und dann gibt es dieses Buch, das mich mit Haut und Haar in seine Welt gesogen und als anderen Menschen wieder ausgespuckt hat. Diesen Roman als reinen Thriller abzustempeln, würde dem Werk nicht gerecht werden, weil es einfach mehr als das ist. Thrill, Mystery, Kunst, (Familien)Drama, Übernatürliches, das dich fragen lässt, ob es wirklich übernatürlich ist oder nur den Anschein erweckt. Ich vermag mir kaum vorzustellen, wie (lange) die Autorin diese komplexe Tiefe erarbeitet hat.

 

Ja; die tragende Frage ist, typisch für das Genre: „Wie und warum starb Ashley Cordova?“ Dieses Rätsel will gelöst werden. Während man mit dem in Ungnade gefallenen Journalisten Scott und zwei selbsternannten Begleitern die Spuren des toten Mädchens zurückverfolgt, drängt sich einem die fesselnde Frage auf: „Wer war Ashley Cordova?“ Der Weg von der Tochter bis zum Vater ist nicht weit, sodass man schließlich auf die größte Frage, das eigentliche Mysterium dieses Buches stößt: „Wer ist Stanislav Cordova? Welcher Mensch verbirgt sich hinter dem Filmemacher, den mehr Geheimnisse und Geschichten umgeben, als seine umstrittenen Filme hinterlassen?“

 

Mich hat dieser Roman auf ganzer Linie umgehauen. Wahrheit und Fiktion lagen so dicht beieinander, wurden von der Autorin so gekonnt ineinander verwoben, dass sie kaum voneinander trennbar waren. Faszinierend, fesselnd, atemraubend, hypnotisierend, eindringlich, schockierend, einzigartig – ich geize nicht mit Adjektiven, weil dieses Buch sie verdient hat.

Ein derart komplexes, lebendiges Mysterium um einen fiktiven Menschen – eine ganze Familie zu erschaffen, ist absolut meisterhaft. Etwas Vergleichbares habe ich bis dato noch nicht gelesen.

 

 

Ob Kunst größer ist als das Leben?

Gut möglich, dass das Lesen dieses Buches deiner Antwort neue Sichtweisen verleiht. 

 

 


Infos zum Buch

 

Autorin: Marisha Pessl

Erscheinungsdatum: 25. September 2014

Verlag: Fischer Taschenbuch

Seitenanzahl: 800 Seiten

Taschenbuch: (ISBN 978-3596183326): 12,99 €

E-Book: 9,99 €

 

 

Klappentext

 

Ashley ist tot – gerade mal vierundzwanzig - eine Leiche in einer verlassenen Lagerhalle Manhattans. Ein Unfall? Oder Selbstmord? Und was hat Cordova – der übermächtige Vater und besessene Filmemacher mit ihrem Tod zu tun? Der Schlüssel zum Geheimnis liegt in seinen magischen Filmen, die nach und nach zu einer Wirklichkeit werden, aus der es kein Entkommen gibt.

 

Ein Meisterwerk – souverän, tödlich, perfekt.

 

 

 

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