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Leben in Vollzeit

Etwa 35 Tage ist es nun her, dass ich mein letztes Lebenszeichen von mir gegeben habe. Social Media-Diät und Vollzeiterfahrung echtes Leben sozusagen. Anfangs weil die Umzugsvorbereitungen im letzten Atemzug nochmals alle Aufmerksamkeit und Kraft gefordert haben, dann weil der Umzug endlich über die Bühne war, aber natürlich trotzdem noch hundert Sachen zu erledigen waren (u.a. das Putzen/Streichen der alten Wohnung) und danach, nun, ich hatte einfach nicht das Bedürfnis mich irgendwie und irgendwo bemerkbar zu machen.

 

Die Abstinenz von der digitalen Welt hat gut getan und tut es eigentlich noch. Verfolgt habe ich die sie dann und wann schon, aber auch sehr abgespeckt und anders als früher. Da war – und ist – mehr Distanz. Im positiven Sinne. Ich fühle mich geerdeter, nicht aufgerufen mich an allem zu beteiligen, Anteil zu nehmen oder mich selbst in die Pfanne zu hauen, weil ein anderer Autor schon wieder ein neues Buch auf den Markt bringt; Marketing einfach viel besser beherrscht; mehr Follower hat als ich. Die Liste ist beliebig lang. Natürlich kann man beschließen, dass einen all das nicht triggert, aber eine rein verstandsbezogene Entscheidung bringt da nicht wirklich weiter. Das Unterbewusstsein muss im Boot sein. Und, aktuell ist es das bei mir. Und das genieße ich. Dieses „Sein“ im eigenen Heim (in doppelten Sinne); sich mit voller Aufmerksamkeit dem Manuskript widmen; gänzlich versunken ein Buch lesen; die Zeit mit den Lieben genießen.

 

Genaugenommen hätte ich meine Auszeit noch auf unbestimmte Zeit verlängern können, allerdings dachte ich mir, dass ich mich auch einfach mal wieder melden könnte. Weil ich Lust habe ein kleines Lebenszeichen von mir zu geben, auf dass die, die Lust haben, es lesen.

 

Es ist schon eine ambivalente Beziehung diese Sache mit dem Internet, den sozialen Netzwerken, Followers, Fans (…). Eigentlich total egozentrisch dieses „Seht und hört alle gut zu, da bin ich, das habe ich getan, das tue ich (…)“. Öffentliches Tagebuchführen – früher hätte jeder einen Kollaps bei dem Gedanken bekommen, andere einen Blick in sein Inneres/seinen Alltag werfen zu lassen. Heute ist es so normal wie Einkaufen im Supermarkt. Schon irgendwie seltsam. Aber eben Zeitgeist.

 

Manchmal wünsche ich mir die „gute alte Zeit“ zurück, dann aber besinne ich mich auf die positiven Aspekte des digitalen Zeitalters. Auf die tollen Menschen, die ich über das Internet kennengelernt habe. Die Antworten und Informationen, die ich mal eben „nachgooglen“ kann. Die Möglichkeit etwas auf die Beine zu stellen und andere damit zu erreichen. Meine Begeisterung für etwas mit anderen zu teilen oder mich von der Begeisterung anderer anstecken zu lassen.

 

Alle Dinge besitzen sowohl positive als auch negative Seiten – es kommt ganz allein darauf an, welche Seite wir für uns mehr nutzen. Nimm, was dir gut tut und lass, was dir schadet. Eigentlich ganz einfach.  Ja, eigentlich schon, oder? ;-)

 

Was mein Leben in den vergangenen 35 Tagen angeht, kann ich nur sagen: ich habe das Gute genommen. Wie das im Detail aussah? Schreiben. Lesen. Geburtstage feiern (meiner eingeschlossen :-)). Wohnung dekorieren. Ausschlafen. Hörbücher hören. Nach Leipzig zur Buchmesse fahren. Pläne schmieden. Pläne konkretisieren. Schreiben. Lesen. Leben.

 

Eine kurze Zusammenfassung findet in Form einiger Fotos und auch in den Rezensionen, die nun nach und nach kommen. Mein Resümee zu „Gewöhn dich dran mich zu lieben“ von meiner Autorenkollegin M.L. Busch ist bereits online; einen Post zu meinen Buchneuzugängen von Geburtstags, Messe und spontanem Buchhandlungsbummel gibt es demnächst noch separat.

 

Ich werde mich jetzt wieder an mein Manuskript setzen. Da meine neue Wohnung jede Menge Platz hat, kann ich das nun in einem richtigen Arbeits-/Bücherzimmer tun. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es mein liebstes Zimmer ist? ;-)

 

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch. Und: Wählt das Gute :)

 

Eure

Sandra Andrea