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Hello Sunshine - Laura Dave

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Herzlichen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

Wenn dein Leben absolut perfekt ist –
ist es dann nicht Zeit, etwas Neues zu wagen? 

 

Sunshine Mackenzie lebt ihren Traum! Mit ihrer YouTube-Kochshow und ihren Lifestyle-Büchern begeistert sie Millionen von Fans. Sie ist einfach die Person, mit der jeder gern befreundet wäre. Noch dazu hat sie ihren Traummann geheiratet, den Architekten Danny, der ihr treu bei allem zur Seite steht. Alles scheint perfekt, bis ausgerechnet an ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag herauskommt, dass die hochgelobten Rezepte aus der Show gar nicht von ihr sind. Die Fans sind empört, und Sunshine sieht nur einen Ausweg: Sie verlässt New York, um in einem kleinen Küstenstädtchen noch einmal von vorn zu beginnen …

 

Klappentext & Cover © Blanvalet Taschenbuch Verlag

 

 

Autor: Laura Dave

Erscheinungsdatum: 16.04.2018

Seitenanzahl: 384 Seiten

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag

Taschenbuch (ISBN: 978-3734103537): 9,99 €

E-Book: 8,99 €

 

 

 

THEMATIK

 

Wenn man einen Roman liest, weiß man, dass man eine fiktive Geschichte vor sich hat. Beim Lesen von „Hello Sunshine“ habe ich das aber tatsächlich dann und wann vergessen. Die Problematik von Schein und Sein, YouTube, Instagram & Co. gehört zum heutigen Alltag und hat unleugbar nicht nur rosige Seiten.

 

„Ich zeige dir, wer du willst, dass ich bin.“ – viele Geschäftsmodelle werden auf diesem Grundsatz aufgebaut. „Höher, weiter, besser“ – auch gnadenloser und rücksichtsloser Konkurrenzkampf zählt zu den Phänomenen der heutigen Zeit. Einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, auf das Scheitern einer „Fake-Indentität“ war überaus bedrückend und mahnend zugleich. Man kommt nicht umhin sich Fragen die (eigene) digitale Welt betreffend zu stellen und sich zu vergegenwärtigen, wie fragil Ruhm doch eigentlich ist.

 

 

CHARAKTERE

 

Menschen machen Fehler, wählen den falschen Weg; verletzen die, die sie lieben, weil sie glauben, sie täten das richtige; schauen weg, wenn es um ihre Schwächen geht und wollen nur das zeigen, was – in ihren Augen – liebenswert ist. Das trifft ganz besonders auf die Charaktere (Manager, Ehemann, Koch-Konkurrenz, Anwalt, Marketing-Team, persönliche Assistentin & Co.) dieses Romans zu, deren Persönlichkeiten so verschieden sind wie ihre Ziele und Wege, um dorthin zu gelangen.

 

Der eine benutzt Menschen wie Treppenstufen, weil er sich selbst am nächsten ist; der andere verbirgt das Gesicht hinter einer Maske aus geheuchelter Freundschaft; der nächste beschließt eine vierzehnjährige Ehe einfach mal so aus dem Fenster zu werfen, obwohl er selbst Leichen im Keller hat …

 

Wo es sich beim einen noch nachvollziehen lässt, bleibt für manch anderen Charakter nur Enttäuschung und Abneigung übrig. Nicht immer sind die Beweggründe klar und/oder nachvollziehbar, aber so ist es auch im echten Leben, weshalb ich es in dieser Geschichte positiv bewerte.

 

Sunshine, die Hauptprotagonistin, ist ein kontroverser, schwieriger Charakter. Anfangs weiß man nicht recht, was für ein Mensch sie eigentlich ist; ob man Sympathie oder Antisympathie für sie empfinden soll. Als ihr dann ihre ganze Welt um die Ohren fliegt, man Einblick in ihre Vergangenheit – den Weg bis zu „Little Miss Sunshine“ – und in ihr Inneres wirft, stellt sich unweigerlich Mitgefühl ein. Ich begann, sie zu mögen, weil sich zeigte, dass sie ein guter Mensch ist, der – wie alle Menschen – Fehler gemacht hat.

 

 

ZITAT SUNSHINE

 

„Ich dachte immer, der Weg bestünde darin, so weit und so schnell wie möglich vor seinem damaligen Ich davonzurennen. Doch ich hatte nicht begriffen,
dass das der sicherste Weg war, wieder genau dort zu landen,
wo man aufgebrochen war.“

 

 

 

STORY

 

Verschmäht von Fans und Vertrauten, strandet Sunshine in ihrer einstigen Heimatstadt, einem kleinen Ort am Wasser, der dem Leser ein idyllisches Gefühl vermittelt, der Hauptprotagonistin jedoch regelrecht Pickel verursacht.

 

Die junge Frau ist das Gegenteil von glücklich, beginnt jedoch nach und nach über den Tellerrand zu blicken. Und siehe da: Es gibt tatsächlich eine Welt außerhalb der schillernden Medienwelt. Dass die nicht zwangsläufig begeistert reagiert oder prompt Hilfe anbietet, muss Sunshine auf die harte Tour lernen.

 

Was in diesem Roman anders ist (meist kehrt der gescheiterte Protagonist in den Hafen der Kindheit zurück, wo er mit offenen Armen empfangen und aufgepäppelt wird), ist unleugbar das Zuhause, in das Sunshine zurückkehrt. Offene Arme, Mitgefühl und Unterstützung? – Fehlanzeige! Polizei und Strafanzeige zur Begrüßung, Feindseligkeit und offene Abneigung – das ist, was Sunshine erwartet.

 

Wo das wenige an Familie, das noch existiert, weder für sie eintritt noch Interesse an ihrer Gesellschaft hat, zeigt sich ein Fremder schon zugewandter. Trotz eigenwilliger Moralvorstellungen stellt sich seitens des Lesers unweigerlich Sympathie für den bodenständigen Mann ein, wohl einfach deshalb, weil er im Grunde seines Herzens eine ehrliche Haut ist. In Sunshines Lage eine echte Glücksbegegnung.

 

Trotz des Schlamassels, in dem die Ex-Star-Köchin steckt, lässt sie sich nicht unterkriegen, stellt sich auf die Hinterfüße und kämpft wie eine Löwin. – Um mehr, als sie anfangs gedacht hatte zu kämpfen. Weil es eben nicht nur um eine Koch-Show, Follower oder Verkaufszahlen geht.

 

Ein kleines, sehr cleveres Mädchen erobert Sunshines Herz und ein Chefkoch mit äußerst eigenwilliger Persönlichkeit wird zum Plan B für die junge Frau.

 

Obwohl Sunshines Lage eigentlich herausfordernd genug ist, trumpft das Leben abermals mit einer Überraschung auf, die die Prioritäten der jungen Frau neu ordnet. Weil man manchmal für mehr als nur für sich selbst Verantwortung übernehmen muss und nicht immer alles nach Plan läuft.

 

 

ZWEI MANKOS, die eigentlich keine sind (ACHTUNG: Wer  für das Ende vollkommen unvorbelastet sein möchte, sollte diesen Teil evtl. überspringen)

 

Die Autorin spricht den Leser direkt an, was ich persönlich nicht sonderlich mag. Glücklicherweise nimmt das im Laufe der Geschichte ab, sodass es gut zu verschmerzen ist. Das größere Manko ist das Ende, das eigentlich auch kein richtiges Manko ist.

 

Die Protagonistin hat den Scherbenhaufen ihres Lebens nicht in Gänze bereinigt, hat neuen Boden, neue Erkenntnisse und Freunde gefunden. Das Leben geht weiter, vielleicht entwickelt sich an der ein oder anderen Stelle noch ein größeres Happy End, doch bleibt es dem Leser überlassen die offenen Fäden weiterzuknüpfen. Ich hätte mir etwas mehr Klarheit in Bezug auf einige Charaktere und Beziehungen gewünscht und doch hat die Autorin ein angemessenes Ende verfasst.

 

Das Leben entwickelt sich, ändert die Richtung, wohin ein Weg führt, weiß man anfangs nicht mit Gewissheit. Dass „Hello Sunshine“ endet, wie es endet, ist angesichts seiner Nähe zum echten Leben (es läuft nicht immer alles so, wie man gerne hätte) nur würdig und recht.

 

 

FAZIT

 

Dieser Roman ist nah dran am Puls der Zeit und legt menschliche Fehler und Kanten offen auf den Tisch. Den „Untergang“ von Sunshine mitzuerleben, die sich genaugenommen alles selbst eingebrockt hat, ist bedrückend und regt unweigerlich zum Nachdenken an. Nicht aufgeben, es geht immer weiter – diese Quintessenz bleibt nach dem Lesen zurück. Ebenso wie: Echt ist echt und bleibt auch immer echt.

 

Ein tolles Buch, das mir noch besser gefallen hat als ich erwartet hatte!

 

 

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