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Wie Eulen in der Nacht - Rezension

 

Jeder träumt von einem Wunder, aber nicht jeder ist bereit dafür. 

 

Wem nur noch ein Wunder helfen kann, der findet stets seinen Weg in die Wüste Colorados und zur außergewöhnlichen Familie Soria. Doch die Wunder der Sorias sind unberechenbar und wer sie aus eigener Kraft nicht vollenden kann, zahlt einen hohen Preis.

Auch Daniel Soria bewirkt diese Wunder mit der Ernsthaftigkeit und Hingabe, die es braucht. Doch dann bricht er die wichtigste Regel seiner Familie: Er mischt sich in ein Wunder ein. Dadurch entfesselt er eine Magie, die seinen Tod bedeuten könnte. 

 

Klappentext © Knaur Verlag

 

 

Autor: Maggie Stiefvater

Erscheinungsdatum: 02. November 2018

Seitenanzahl: 304 Seiten

Verlag: Knaur Verlag

Broschierte Ausgabe (ISBN: 978-3426522820) 14,99 

 

E-Book: 12,99 €

 

 

Dies ist höchstwahrscheinlich die seltsamste Rezension, die ich je für ein Buch geschrieben habe. Was daran liegt, dass sie genaugenommen ein Leserbrief ist, den ich dem Knaur Verlag geschrieben habe und an dieser Stelle mit euch teilen möchte.

 

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Liebes Knaur-Verlagsteam,

 

manchmal hat man das Bedürfnis jemandem etwas zu sagen, weil einem eine bestimmte Sache nicht aus dem Kopf geht. So geht es mir diesmal mit euch bzw. einem von euch verlegten Buch.

 

Maggie Stiefvater ist eine meiner Lieblingsautorinnen - in Summe habe ich drei. Gemessen an der Anzahl existierender Autoren/Autorinnen verdeutlicht das, wie sehr ich sie schätze.

 

Aus diesem Grund habe ich mich ungemein gefreut als ich eure Erscheinungsankündigung zu „Wie Eulen in der Nacht“ auf Instagram entdeckte. Ich beschloss dennoch, mich in Geduld zu üben und mir das Buch zu Weihnachten zu wünschen. In der Zeit bis dahin stolperte ich immer wieder über Beiträge von Buchbloggern und über Rezensionen; auch mit meiner besten Freundin, die das Buch bereits hatte und las, tauschte ich mich aus. Was ich las und hörte, war meist, dass der Roman nicht wie erwartet, langatmig und verwirrend ist. Meine Freundin erzählte mir mit anderen Worten das gleiche.

 

Ich fühlte mich verunsichert, aber stets nur für Sekunden. Warum? Weil Maggie Stiefvater eine großartige Autorin ist. Ich war mir sicher, dass mir das Buch gefallen würde. Aus diesem Grund nahm meine Vorfreude nicht ab; sie stieg sogar noch, weil ich mich einfach so freute, dass ich bald eine neue Geschichte von ihr lesen würde. Das Echo in den Social-Media-Kanälen tat mir dennoch in der Seele weh.

 

Schließlich hatte ich das Buch und meine Freundin wünschte mir augenzwinkernd viel Spaß. Ich las 150 Seiten am Stück, legte es beiseite und las es am nächsten Tag zu Ende. Ich hätte es leicht an einem Tag beenden können, doch wollte ich die Geschichte nicht so schnell wieder loslassen. „Wie Eulen in der Nacht“ hat mich nicht enttäuscht - es hat meine Erwartungen übertroffen.

 

Maggie Stiefvater schreibt Geschichten, die niemand sonst - auf diese Art und Weise - schreiben könnte. Bei ihr habe ich das Gefühl, die Welt zwischen den Buchdeckeln existiert tatsächlich und ich werfe nicht nur einen Blick in diese andere Welt, sondern ertaste sie mit allen Sinnen, Herz und Seele.

Die Geschichte hat einen Anfang und ein Ende und doch geht es eigentlich nicht um den Weg, sondern um die einzelnen Schritte, die die Charaktere - die „Heiligen und Pilger“ - gehen. Sie sind die Geschichte; und trotz aller Fiktionalität, so menschlich, wie jeder Leser selbst.

Die Seiten sind mit so viel Poesie und „Inhalt“ gefüllt, dass ich fortwährend Post-its anbringen und innehalten könnte, weil die Zeilen und der Raum dazwischen schlichtweg dazu verleiten.

 

Maggie Stiefvater schreibt Geschichten, die niemand sonst erschaffen und schreiben könnte, was sie mit „Wie Eulen in der Nacht“ ein weiteres Mal bewiesen hat. Dieser Roman ist ohne Frage ein besonderer, der aus dem Buchuniversum heraussticht, weil er weder laut sein muss, um sich Gehör zu verschaffen, noch den Regeln folgt, die - nach allgemeinem Ermessen - einen Bestseller oder einen Erfolgsroman ausmachen. Er traut sich anders zu sein; erlaubt sich anders zu sein, ohne auf die Idee zu kommen dabei wirklich ´anders` zu sein.

 

Es gibt Bücher, die sich gut verkaufen, weil sie bestimmten Gesetzen folgen und bestimmte Sehnsüchte befriedigen und dann ist da dieses Buch, das dir etwas gibt, von dem du gar nicht wusstest, dass du dich danach sehnst. Ja, du musst dich dafür öffnen statt zu erwarten, dass es dir ins Gesicht springt; und ja, du musst lauschen, weil der Text dich nicht anschreit. Aber, das ist es wert.

 

Was ich - mit all meinen vielen Worten - eigentlich sagen möchte, ist: Danke. Dafür, dass ihr euch für Maggie Stiefvater und diesen Roman entschieden habt, sodass auch wir deutschen Leser ihn (ohne beiliegendes englisches Nachschlagewerk) lesen können.

 

Ich sehe immer noch das Echo und die Rezensionen - und es tut mir nach wie vor in der Seele weh, für euch als Verlag und für Maggie Stiefvater, weil dieses Buch - offenbar - nicht den Weg in die Herzen findet, den es verdient. Dass das gar nicht möglich ist, weil Geschmäcker unterschiedlich sind und es durchaus einen falschen Moment für das richtige Buch gibt, ist mir bewusst. Ebenso wie, dass für Verlage Verkaufszahlen und damit einhergehende Erlöse wichtig sind und dass ein Buch, das sich nicht in großen bzw. den erwarteten Mengen verkauft, faktisch als Misserfolg betrachtet werden kann - und womöglich wird.

 

Bitte tut das nicht. Bitte bereut eure Entscheidung nicht. Bitte schließt eine weitere Chance für Maggie Stiefvater - oder Bücher anderer Autoren jener besonderen Art - nicht aus.

 

Mainstream ist gut und toll. Leser brauchen das; da schließe ich mich nicht aus. Aber sie brauchen auch besondere, einzigartige Bücher, die sich nicht mit anderen vergleichen lassen (müssen); nicht so leicht zu verdauen und wegzulesen sind, sondern nachhallen.

 

Das Buchgeschäft ist ein Geschäft; sichert Jobs und Leben und richtet sich nach der lautesten, fordernden Stimme. Aber es hat auch eine Seele, der all das egal ist.

Mit diesem Buch habt ihr die Seele der deutschen Buchwelt - und meine - zweifelsohne genährt und dafür möchte ich nochmals danke sagen. Danke, dass ich ein weiteres großartiges Buch meiner Lieblingsautorin genießen durfte und gewiss noch viele weitere Male genießen werde.

 

 

Herzlichst

eure Leserin

Sandra Andrea Huber

 

 

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Besonderes Buch, besondere Rezension ;-)

 

 

Zum Abschluss möchte ich gern noch eine meiner
(vielen) Lieblingsstellen mit euch teilen:

 

 

"Wunder wie etwas zu behandeln, das der Logik gehorchte, führte dazu, dass man sie nicht mehr so unheimlich fand, und das machte sie nicht nur noch gefährlicher, sondern auch weniger heilig und damit weniger bedeutsam."
(Seite 181)

  

 

 

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